Das Benefiziftar 2017

Mit dem 9. Benefiziftar stand ein Umzug an. Mit 120 Teilnehmern wurde unsere alte Location ein wenig eng – und wir brauchten nun mehr Platz für Kinderwagen und mehr Gäste.

In der Aula der alten FH in Mainz konnten wir uns daher richtig austoben und endlich alles auspacken was in der Planungsschublade lag, aus Platzgründen aber nie umgesetzt werden konnte. Wir hatten einen Gebetspavillon mit einem riesigen Orientteppich, eine Bühne mit Tontechnik, die unsere Stimmen immens geschont hat und genug Platz für die Kinder, die ungestört herumzulaufen und verstecken zu spielen konnten. Kleiner Warnhinweis – ein Süßigkeitenbuffet für Kinder kann nach hinten losgehen, da Zucker anscheinend Kinder überdreht….auch wir lernen jedes Mal dazu.

Nach einer Kanun-Einlage gab es auch ein Überraschungs-Geburtstagsständchen für einen Gast von über 100 Teilnehmern, für Kuchen und Kaffee war ja reichlich gesorgt. Das zweite Geburtstags”kind” auf unserem Iftar seit 2009. Aber nicht nur für ihn gab es eine Überraschung, sondern auch für alle die das Geburtstagsständchen gesungen haben. Eine Produktionsstraße in der gemeinsam mehr als 800 Ramadan-Eid-Tüten mit Süßigkeiten gefüllt wurden, die dann zum Ramadanfest an alle Kinder in Mainzer Flüchtlingsheimen verteilt worden sind. Egal ob die Kinder das Ramadan-Fest feierten oder nicht, die Süßigkeiten gab es für alle Kinder.

Das Opferfest-Grillen 2016

Im Jahr 2013 trat die humanitäre Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland im Rahmen eines Nachbarschaftsfestes an uns heran und wollte wissen, ob wir Lust hätten ein Grillfest zu veranstalten und dabei die geflüchteten Menschen als neue Nachbarn zu begrüßen. 

Da Amal aus unserer Orgacrew, bereits ehrenamtlich Flüchtlinge bei Behördengängen und anderen Themen unterstützte, wussten wir, dass viele das Fleisch in den Unterkünften nicht aßen. Aus Angst es könnte Schwein enthalten oder nicht halal-geschächtet sein. Daher ließen wir uns diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen. Mit dem finanziellen Backing von IRD, der kostenfreien Location durch eine lokale Moscheegemeinde und deren Riesengrill konnten wir trotz einigen anfänglichen Problemen mit dem Wetter ein überdachtes, trockenes und schönes Grillen zum islamischen Opferfest feiern.

Neben dem leiblichen Wohl war natürlich auch für den Spaß gesorgt. Leider mussten wir die Hüpfburg, die wir natürlich vor dem Einsatz selbst “testen” wollten, wegen Regengefahr stornieren, konnten aber mit einer Kinderschminkerin, Ballspielen und Federball dann die Kinder doch glücklich stimmen.

Rührend war vor allem, dass ein paar ältere Damen zu unseren Grillern kamen und ihnen Teller mit Essen vorbereiten wollten, da sie auch was vom Buffet haben sollten. Sie selbst hatten noch nicht gegessen aber haben zuerst an uns gedacht. Mamas sind eben die Besten 🙂

Das Benefiziftar 2009

Lediglich ein Benefiziftar sollte es sein… daraus wurden inzwischen mehr als elf. Als Studierende hatten wir die Idee gemeinsam mit ungefähr 20 Freunden in einer “großen” Runde einen Benefizabend zu veranstalten. Wir wollten unser Fasten brechen und dabei auch Gutes tun. Da jeder nur ein Gericht für sich und vier bis fünf andere mitbringen sollte, musste auch niemand Wunderwerke in der kleinen Kochnische der Studentenbude vollbringen. Jeder Gast sollte mit ihrem oder seinem Beitrag eben auch irgendwo Gastgeber des Abends sein.

Das Budget für diesen Abend – knapp über 200 Euro, aus einer Rückzahlung einer studentischen Steuererklärung. Wie wir es von unseren Eltern und Großeltern gelernt haben, dürfen und müssen gute Taten auch manchmal etwas kosten. Wer nämlich sein Geld für Gutes einsetzt, den wird Allah entlohnen, so die Überzeugung. Oder wie wir halt in Bayern sagen: Vergelt’s Gott.

Zu den anfänglichen 20 Gästen stießen dann zum Nachtisch und zum Tee knapp weitere zwei Dutzend Nachzügler. Als es dann an das Spenden ging legten, alle Anwesenden einen stolzen Betrag von 650 Euro zusammen. Für uns damals als Studierende viel Geld.

Die Spenden wurden in anonymen Briefumschlägen gesammelt, aber am gleichen Abend öffentlich ausgezählt und einer gemeinsam festgelegten Hilfsorganisation weitergeleitet. Damals wie heute war die wichtigste Grundvoraussetzung: Transparenz!

Natürlich machten unzählige Fotos in den Folgetagen die Runde in den persönlichen Social Media Accounts und traten eine Entwicklung los, die wir selbst nicht so erwartet hatten. Es erreichten uns Nachrichten wie “Wieso war ich nicht eingeladen???”, “Nächstes Jahr will ich aber auch dabei sein!” oder “Ich melde mich schonmal als erste(r) an für nächstes Jahr und bringe mit…”.

Nachdem sich direkt im Anschluss des ersten Abends bereits weit über 60 Anmeldungen deutlich machten, galt es kurz nach dem Ramadanfest 2009 auf Locationsuche für das Iftar 2010 zu gehen. Neben den Anmeldungen hatten wir aber auch konstruktives und ehrliches Feedback der Gäste bekommen. Geboren war eines unserer Mottos, das uns jeher bei allen Orgasitzungen begleitet: “Nach dem Iftar ist vor dem Iftar” aber auch das Konzept der Meckerliese. Zufällig ausgewählte Freunde wurden in den Folgejahren damit beauftragt intensiv Makel zu suchen und uns diese auch ehrlich zu kommunizieren.

Lediglich ein Abend sollte es werden….dieses Jahr geht im neuen Gewand ins Zwölfte

Das Benefiziftar 2010

Fortsetzungen sind meist ja nie so gut wie der erste Teil, daher galt es das zweite Iftar gut vorzubereiten. Zu unserem Glück hatten wir hierfür genug Zeit, da kurz nach dem ersten Iftar bereits über 60 Anmeldungen standen und zahlreiche Feedbacks zum Abend eintrudelten. Ein Kritikpunkt war damals bereits das Einweggeschirr, das musste weg, also starteten wir einen Rundruf an alle Anmeldungen und unsere Freunde. Jeder sollte in den Semesterferien die elterlichen Küchenschränke, Keller und Dachböden nach nicht mehr benutzten Schüsseln, Tellern und Besteck plündern – natürlich nur mit Mamas Segen. Lediglich die Becher konnten wir nicht umstellen…vorerst.

Unser buntes Sammelsurium an Besteck und Geschirr wurde aber auch begleitet von “Ich würde gerne meine WG-Mitbewohnerin mal zu einem Iftar mitnehmen, sie kennt das nicht”. Wie an Abrahams Tafel war auch an unserer jeder willkommen. Neben den Tellern wurde also auch die Gästeliste bunter.

Interessanterweise war der Aufwand bei über 60 Gästen nicht vielmehr als für 20. Da jeder Gast ebenfalls aktiver Gastgeber war, übernahm jeder einen kleinen Teil. Die Spenden des Abends wurden dann, wie im Vorjahr, anonym in blanko Briefumschlägen gesammelt und öffentlich ausgezählt. Sie gingen dann in vollem Rahmen an Islamic Relief Deutschland und an die DKMS. Wichtig war, dass die Spendenempfänger in Deutschland sitzen, transparent arbeiten und ungeachtet der Religion, Rasse oder Geschlecht helfen. Spendenerfolg des Abends bereits im zweiten Jahr 1250€ – gespendet von Studenten.

Das Benefiziftar 2011

Man lernt nie aus. Mit 60 Gästen im Vorjahr hatten wir gedacht, dass wir großzügig geplant haben, wir wurden aber wieder eines besseren belehrt und mussten auch für 2011 die Sitzplätze erweitern. Statt 60 Sitzplätze hatten wir nun 80 Gäste geplant.

Mit unserer großzügigen Planung lagen wir aber auch hier nicht ganz richtig, da unsere Gästeliste bereits 48 Stunden nach Eröffnung voll war. Das erste Mal, dass wir uns über eine Warteliste Gedanken machen mussten. Wieder was dazu gelernt.

Mit dieser Entwicklung zeichnete sich bereits vor dem dritten Iftar ein viertes ab….mit noch mehr Sitzplätzen. Mit den Gästezahlen des Iftars wuchs auch glücklicherweise die Orgacrew und die Spendensumme. Mit dem ersten Iftar und einer anfänglichen Spendensumme von 650 Euro stiegen die Spenden nun auf fast 1.800 Euro an, die wie jedes Jahr vollständig weitergegeben wurden. Die Eingangsbestätigung der Spendenempfänger wurde dann an alle Teilnehmer transparent kommuniziert.

Das Benefiziftar 2012

Mit dem vierten Benefiziftar haben wir mit genau 104 Sitzplätzen die 100er Marke geknackt. Damit nicht genug, wir konnten neben den extra Tischen auch Spenden in Höhe von 2100 Euro sammeln.

Mit den Gästen wuchsen auch die Vor- und Nachbereitungen. Es hieß Teller, Schüsseln und Geschirr waschen, trocknen und polieren für 104 Gäste und diese dann nach dem Iftar wieder abwaschen und wieder für das nächste Jahr verstauen.

Bei diesem Iftar sind viele Freundschaften beim Küchendienst entstanden, die heute noch bestehen. Die Gäste, die ebenfalls auch aktive Gastgeber sind, haben sich freiwillig gegenseitig abgelöst und sogar miteinander wettgeeifert, wer mehr schafft. Die Energie, die sich bei der Eröffnung der Gästeliste zeigte, in der wir wieder innerhalb von 48 Stunden bereits “voll ausgebucht” waren, hielt sich somit bis zum Ende des Abends.

Das Benefiziftar 2013

Das fünfte Benefiziftar hatte viel Neues für uns. Unser erstes Geburtstagskind, unser erstes Baby und unsere zwei ersten Schwangeren, bis dahin noch geheim.

Auf die eigene Feier verzichten und lieber mit uns einen wohltätigen Abend verbringen, ganz im Zeichen des Iftars. Natürlich wusste das Geburtstagskind nichts davon, dass wir es längst wussten und es gab ein Überraschungsständchen von 119 anderen Anwesenden und eine Geburtstagstorte.

Die Jahres-Spendensumme des Abends mit über 3.000 Euro hatte nun mehr als das vierfache des ersten Iftars erreicht. Da wir die letzten Jahre nicht nur auf Nachhaltigkeit des Geschirrs gezielt hatten sondern auch unseres Spendenverhaltens, veränderte sich nun auch die Spendenzusammensetzung. Der Anteil an Waisenpatenschaften und Monatsbeiträgen nahm auch dieses Jahr zu. Somit sollten die Spenden nicht nur bei der “Jahres-Spendensumme” bleiben. Der stete Tropfen eben.

Das Benefiziftar 2014

Das sechste Benefiziftar stand ganz im Zeichen der Rekorde. Seit nunmehr drei Jahren hatten wir das Glück den heißesten Tag des Sommers für unser Iftar zu erwischen. Wir hatten eine Außentemperatur um 30 Grad, Rekord für diesen Sommer und bis dato das heißeste Iftar.

Die Hitze konnte aber weder die Stimmung noch die Spendensumme schmälern. Mehr als 100 Gäste spendeten gemeinsam mehr als 5.000 Euro inklusive Waisenpatenschaften und Daueraufträgen. 

Das Benefiziftar 2015

Das siebte Benefiziftar stand unter dem Zeichen Diversity. Richtig gelesen – Diversity. Seit dem zweiten Iftar im Jahre 2010 war es selbstverständlich, dass Gäste ihre Freunde, Mitbewohner oder Kommilitonen mitbringen, die noch nie aktiv ein Fastenbrechen miterlebt haben. Aufgrund der erfahrungsgemäß aber schnell voll werdenden Gästeliste merkten wir, dass diese Tradition nicht mehr so stark gelebt wurde. Daher haben wir einen Teil der Plätze extra dafür geblockt….und es hat sicht gelohnt. Wir hatten eines unserer buntesten Iftars, was sich auch im Buffet wiederspiegelte. Die Speisekarte reichte genau wie die Gäste von Lateinamerika bis nach Südost-Asien, aber auch für ein Ramadan-Buffet sehr exotische Speisen wie Spundekäs konnte man an diesem Abend finden.

Die Diversität zeigte sich aber nicht nur bei den Gästen und dem Buffet selbst, sondern auch bei den Organisationen, die unsere Spenden zu 100% weitergeleitet bekommen haben. Neben unserem Kriterium, dass die Hilfsorganisationen in Deutschland sesshaft sind und vollkommen transparent arbeiten, war ein anderes Selektionskriterium, dass die Organisationen ungeachtet der Religion, der Rasse oder des Geschlechts helfen. Neben einer Islamic Relief Deutschland fanden sich somit selbstverständlich auch die DKMS, das Kinderhospiz Bärenherz Wiesbaden und die Mensch zu Mensch e.V. Wiesbaden uvm.

Das Benefiziftar 2016

Das achte Benefiziftar stand unter dem Motto “Go Greener!”. Jedes Jahr beauftragen wir mehrere zufällig ausgewählte Teilnehmer mit der Aufgabe unsere “Meckerliesen” zu sein, hierfür haben wir sogar eine eigene E-Mail-Adresse für Verbesserungsvorschläge an den anderen 364 Tagen im Jahr (meckerliese@benefiziftar.de).

Ein großer Punkt, der auch uns gestört hat, waren unter anderem Einwegbecher. Da wir die Veranstaltung als Studenten gestartet haben, alles selbst finanzieren und die Spenden zu 100% weitergegeben werden, war Anfangs Einweggeschirr die ökonomisch aber nicht die ökologisch sinnvolle Entscheidung. Nachdem wir bereits nach dem ersten Benefiziftar 2009 eine große Tellersammlung gestartet haben, wo die elterlichen Keller nach nicht mehr benutztem Geschirr und Besteck durchsucht und geplündert worden sind, hatten wir bereits Einwegteller und -besteck abgeschafft. Der bunte Patchwork-Mix an Tellern, Schüsseln und Besteck war zugleich ein Spiegel der unterschiedlichen Menschen, die am Benefiziftar teilgenommen haben und hatte einen seinen eigenen Charme. Nun wichen auch endlich die Einwegbecher den “echten Gläsern”.

Neben der Abschaffung von Einweggläsern gab es zum ersten Mal auch eine richtige Kinderecke mit allem was ein Kinderherz begehrt. Gesunde Snacks, Mal- und Bastelsachen und heimlich paar Süßigkeiten…wir wurden aber erwischt von den Eltern :p